Heute wurde nun der Nachfolger für Mac OS X Snow Leopard enthüllt, was Mac-only-User wie mich freut. Ich bin wegen dem Betriebssystem zu Apple gewechselt und nicht wegen den iPods, iPhones, iPads also nicht wegen irgendwelchem iGedöns. Mich überzeugte Mac OS X, UNIX, die Benutzerfreundlichkeit, von Anfänger bis Hardcore-UNIX-Geek-Profi ist dieses System für jedermann geeignet. Und wie man sieht bewärt sich das System auf sehr vielen Plattformen, von Heimcomputer, Profiwerkzeug (von Fotograf bis Programmierer), für Server, Serverfarmen, ja und sogar als Mobiltelefonplattform — es gibt nichts worauf sich UNIX nicht skalieren lässt.

Nun, jetzt habe ich viel geschrieben. Warum schreibe ich den Artikel überhaupt? Ja, ganz einfach deswegen, weil jetzt die große Klagewelle derer kommt, die meinen Mac OS X würde “ver-iOSssen”. Diese achten aber wohl nicht genau darauf, was sich wirklich verändert hat. Viele Leute haben auch einfach Angst vor Veränderungen, oder sind enttäuscht, dass Apple nicht das aus dem Hut gezaubert hat, was sie wollten.
Hier noch von Golem der Video-Ausschnitt aus der Keynote:
Video: Steve Jobs stellt Mac OS X 10.7 alias Lion vor (7:20)
Die heute vorgestellten neuen Funktionen sind:
- Mac App Store
- Launchpad
- Apps im Vollbild
- Mission Control
Usability Funktionen vom feinsten, meiner Meinung nach. Im Zentrum dieses Releases steht eben an, oder viel mehr, stand an, die Innovationen von iOS auf Mac OS zu bringen. Dabei fallen wohl keine Funktionen von Mac OS weg! Es wird lediglich benutzerfreundlicher. Und dafür wurde viel getan.
Mac App Store
Eine gute und konsequente Idee, es wird einfacher sein Anwendungen zu installieren, zu kaufen, zu finden. Es wird einfacher für die Entwickler ihre Anwendungen an den Mann oder die Frau zu bringen.
Ich gehe frech davon aus, dass sämtliche alten Auslieferungsarten (dmg, pkg, Paketverwaltungssoftware,… ) uns erhalten bleiben. Es ist eben ein vollständiges UNIX.
Ich sehe das so, für reine Konsumenten eine klasse Sache, sie müssen sich noch weniger darum kümmern an Software zu kommen, davon profitiert auch der Entwickler, der eine solche Zielgruppe hat. Für die Profis ist es auch nicht schlecht, weniger Arbeit, weniger Verwaltungsaufwand. Und wir Geeks und Informatiker haben noch immer alle traditionellen Mittel. Wer ist nun der Verlierer (@Meckerer)? Es ist nicht das komplett geschlossene System wie in iOS. Schließlich ist iOS ein eingebettetes System und kann sich dies erlauben, Mac OS hingegen nicht.
Was ich mir allerdings wünsche ist, dass OpenSource-Software und oder freie Software unterstützt wird, dass freie Software umsonst im App Store ihre Software (eventuell inkl. Source-Code) anbieten kann — mit einem Spendebutton für das Projekt.
Launchpad
Sehe ich sehr pragmatisch: Es ist eine Erweiterung für das Dock, nicht mehr und nicht weniger. Nette Erweiterung. Bedrohung? Dazu braucht man viel Fantasie.
Apps im Vollbild & Mission Control
Warum auch nicht? Oder viel besser, na endlich! Durch Mission Control sehr gut eingebracht. Das bringt Fokus in die Anwendungen, bei einigen eine sehr gute Sache. Somit fliegen nicht mehr so viele einzelne Techniken umher, sondern hat alles zentral sinnvoll eingebracht. PDFs, Surfen,… werden damit sicher ein Genuss.
Wie pragmatisch die Funktion ist zeigt sich erst in der Praxis.
Was noch? Meine Hoffnung ist, ein komplett überarbeiteter Finder, der sich auch schön komfortabel mit Vollbild nutzen lässt, der auch ftp, sftp, ssh, shell etc. kann. Ich hoffe da kommt noch etwas!
Schöne wäre auch ein verbessertes Terminal, mit mehr Farbe und gar Vollbild, sodass ich einige ssh-Sessions offen haben kann, Editoren und auch einige Quellcode-Dateien. Für Entwickler wäre das bestimmt auch interessant!
Was uns direkt zu Xcode 4 führt. Ein Vollbildmodus? Hört sich gar nicht so schlecht an…
Was sind eure Wünsche? Wurdet ihr davon nun wirklich enttäuscht?
Fazit
Bisher sehe ich es so, die guten Funktionen von iOS wurden übernommen und fügen sich jetzt als leckere Zusätze nahtlos ein.
Apple hat natürlich einen weiteren lukrativen Weg gefunden, Geld zu verdienen. Sie sind und bleiben Kommerzschweine — wie jede andere Firma auch.
Es wird sich erst mit der Praxiserfahrung zeigen, wie gut die einzelnen “Innovationen” sich schlagen. Ich bin bisher recht angetan und gespannt. Es stinkt nach besserem Workflow — hoffentlich.
Der Artikel „Mac OS X 10.7 (Lion) — warum es kein iOS-Abklatsch ist.“ wurde von Sven verfasst und am 20.10.2010 um 21:18 Uhr unter der Kategorie Allgemein veröffentlicht. Dieser RSS 2.0 Feed informiert über die neusten Kommentare. Über einen Kommentar, oder Trackback würde ich mich freuen.
Ich empfehle Visor, ein Simbl-Plugin fürs Terminal mit dem man per Hotkey jederzeit das Terminal im Vollbildmodus einblenden kann.
Vielen Dank für den Tipp!
Fabelhaft, immer weiter so, dann komme ich auch wieder
Ne, ich sehe das auch so. Die iOS-Konzepte werden jetzt einfach auf MacOS X übertragen, sozusagen das was Apple beim iOS gelernt hat sinnvoll nutzen
Die vorgestellten Aspekte von Lion finde ich völlig uninteressant und effekthascherisch. Sie dienen lediglich dazu, iPad/iPhone-Nutzer an den Mac zu locken. Aber bieten die neuen Features Nutzen, den es vormals nicht gab?
Vollbild-Darstellungen sind längst überfällig. Die Integegration (und das sieht man bei der Präsentation) lässt aber bei Expose/Mission Control selbst den Vorführenden mit den Gesten verheddern. Nicht dass man um neue Features traurig sein müsste. Aber dieses dient nicht wirklich der Usabillity. Nur eine neue Möglichkeit, an seine Programme zu kommen. Aber die gab es auch schon vormals übers Dock. Aber seien wir dankbar: eine neue Spielerei, mit der man sich beschäftigen kann.
Sowas wie Launchpad ist ansonsten bereits u.a. Teil von Pathfinder. Nicht so eingebettet, aber konzeptionell gleich. Man kann sogar Hotkeys eingeben, um den App-Launcher in Pathfinder nach Wunschgröße aufpoppen zu lassen. Nur kann man noch keine Ordner definieren. Dessen ungeachtet bietet doch die GItteransicht bei Programmen in der Dock schon eine hinreichende Möglichkeit, die aber ebenso noch nicht ausgereift ist. Auch dort hätte man schon lange mit Gesten etwas mehr Usabillity schaffen können. Besonders wenn man mal in einen Ordner reingeht und wieder zurückwill. Dazu muss man dann aufs Pfeilchen klicken. Lächerlich, wenn man auch am Trackpad zurückwischen könnte…
Was völlig vermieden worden ist: der Finder! Bei dem vermeidet Apple seit Jahren eine Renovierung. Nicht umsonst sind Programme wie Pathfinder oder auch nur TotalFinder so beliebt. Weil sie förmlich a l l e s besser können. Nur haben sie eben häufig auch Enbettungsprobleme dank Apple-Barrieren. Und dank einer konditionierten Kundschaft, die Möglichkeiten anderer Anbieter erst einmal ablehnt, aber in Begeisterung verfällt, wenn Apple dann doch mal anerkennend einem alten Feature einen neuen Namen verpasst. Die lächerliche Seite von Apple.
Um sich nicht falsch zu verstehen: Ich arbeite mit Apple-Produkten, weil sie gut sind. Ich mag sie. Aber sie sind überteuert. Und ohne Helferlein von Softwareschmieden wäre ich schon lange wieder auf ein anderes OS umgestiegen. Jedoch verstehe ich den Hype, da ich selber nicht unempfänglich bin. Aber ich zöge vor, wenn Apple mal erst einmal vorhandene Baustellen kittet: Finder, Sicherheit, Transparenz, bestehende Code-Probleme usw. Aber gut. Ein paare neue Features sind nicht schlecht. Nur sollte man sich nicht vom Jobs-Apple-Werbezug einspinnen lassen. Das bisher gezeigte ist lediglich Effektevorführung. Mir würde hingegen schon reichen, wenn Apple erst einmal noch anständige Treiber für die Macs von 2009 bis 2010 entwickeln würde. Da hapert es nämlich, auch wenn sich der Großteil der Apple-Gemeinde mal wieder über jeden Happen den Hintern abfreut. Nur steht das in keiner Relation zu schmalen Gegenleistung bisher.
Dessen ungeachtet: besser als mit Windows fahren wir sowieso. Nur abfeiern und Vorschusslorbeeren verteilen muss man deswegen nicht. Apple steht bei uns allen in der Kreide! Es ist das Gelder der Kunden, womit die ihren Hype oder ihre Kompetenzen abliefern. Ich will lieber für Kompetenzen bezahlen.